Wohnungswirtschaft im EU-Fokus: Chancen zur Quartier-Energieeffizienz Förderung bis zu 100%

“Besondere Aufmerksamkeit wird der Renovierung von Sozialwohnungen gewidmet, um Haushalten zu helfen, die Schwierigkeiten haben, ihre Energierechnungen zu bezahlen.”

Dieses Zitat aus der EU-Broschüre “Gebäude und Renovierung” belegt: von EU-Seite erfährt die Wohnungs- und Immobilienwirtschaft eine noch nie erfahrene Aufmerksamkeit als Gestalter im Rahmen des “European Green Deals”. Aber auch die fest verkündete Absicht “Niemand wird zurückgelassen” lässt erkennen, dass auch das Vermieter-Mieter-Dilemma aufgelöst werden soll; Mieter verstärkt in die Umsetzung in Quartieren einbezogen werden.

Am 13.08.2020 erfolgte eine Informationsveranstaltung unseres Netzwerks zusammen mit der Nationalen Klimastelle des BMWi und den EEN-Büros Berlin und Brandenburg zu den Nutzungs-Optionen der neuen Programme ab 2021 für die Wohnungs- und Immobilenwirtschaft mit 188 Teilnehmern in zwei Arbeitsgruppen:

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Quelle: Europäische Kommission

Eine neue Plattform wird für “Green Neighbourhoods Living Labs” errichtet, in der die verbesserte Gesamt-Energieeffizienz von Gebäuden (hauptsächlich: Sozialwohnungen) u. a. durch

  • strikte Anwendung von Vorschriften über die Gesamtenegieeffizienz von Gebäuden
  • zunehmende Digitalisierung (siehe auch “Smart Readiness Indicator” und “EPBD-Richtlinien)”
  • Sicherung der Klimaverträglichkeit von Gebäuden

erreicht werden soll. Als Basis dafür dienen u. a. langjährige Pilotierungs-Erfolge unterschiedlicher Akteure der deutschen Wohnungswirtschaft. Unterstützt wird dies durch

  • Investitionsförderungen in die Energieeffizienz von bis zu 100%
  • Bündelung von Renovierungsbemühungen in großen Blöcken und Quartieren

Die NKS hat zunächst das Gestrüpp der unterschiedlichen Begriffe und Programme entwirrt und dabei die Begriffe des “Green Deal Calls” von den offiziellen Programminhalten “Horizon 2020” und “Horizon Europe” differenziert dargestellt.

Wichtig:

  • 1 Milliarde für den Gebäude-Energieeffizienz-Bereich
  • angelehnt an die Verwaltungsvorschriften des H2020-Programms
  • das ursprüngliche H2020-Programm ist aber bereits “abgelaufen”

Fazit: Green Deal bedeutet, dass plötzlich Gelder in Gebäude-Energieeffizienz-Schwerpunkte eingestellt werden, von der die Immobilienwirtschaft bisher nur träumen konnte. Dies in einem Verwaltungsbereich, den wir unter “H2020” bereits kannten. In dessen abgelaufenen Rahmenbedingungen läuft nun der neue “Green Deal Call”. Der alte Begriff wird so verwaltungstechnisch erhalten, doch wird neuer Wein in alte Schläuche eingefüllt.

Geltungsbereich:

  • großangelegte, praxisnahe Demonstrationsprojekte unter Nutzung
    zukunftsweisender Technologien und sozialer Innovation
  • Skalierbarkeit grüner Stadtquartiere mit positiver Energiebilanz
    ›innovative, effizientere Arbeitsabläufe (von Konstruktion bis Ergebniskontrolle)
  • nachhaltige, energieeffiziente Gestaltung, angepasst an lokale und klimatische Gegebenheiten
  • platzsparende Energiespeichersysteme
  • hocheffizienter, kostenreduzierter, digitalisierter, flexibler, sicherer Gebäudebetrieb
  • Validierung in „real life living-labs“ mit ausgewiesenen Innovationswerten, den sogenannten “Technical readiness Levels”, die in der EU in Kategorien von 0 (Idee) bis 9 (marktkonform) klassifiziert werden

Erwartete Auswirkungen:

  • Primärenergie-Einsparungen im GWh-Bereich
  • Investitionen in nachhaltige Energien wie Erdwärme
  • Hohe valide Senlkungsraten
  • Reduktion von ausgewiesenen CO2-Äquivalent-Tonnagen für den kompletten Quartiers-Zyklus inkl. Errichtung, Betrieb und Rückbau
  • Reduktion der enthaltenen Gebäudeenergie aus Verbrauchs-Senkung und Bereitstellungs-Senkung um 50% bei vollem Komfort für die Mieter
  • Demonstration einer hohen Übertragbarkeit auf weitere Quartiere

Doch wie korreliert dies nun zu den absehbaren neuen Programmen nach Ablauf des “Horizon 2020”-Programms? Nun, der neue Name ist zunächst ohne Zeitbezug im Titel: Horizon Europe. Er gilt von 2021 bis 2027 und soll mit Mio. € 75,9 ausgestattet werden. Weitere Details finden Sie in der Präsentation des BMWi:

Nach so viel Förder-Arithmetik interessiert natürlich die Frage nach der Umsetzung in gängigen Quartieren. Welche digitalen Inhalte erfüllen die Anforderungen, wie hoch sind die Chancen, als zuwendungswürdig eingestuft zu werden? Die konkreten Innovationen wurden bereits in Vorab-Pilotierungen ausprobiert und finden sich im Vortrag unseres Netzwerks mit dem Schwerpunkt der Senkung von Heizenergie-Verbrauchswerten inkl. aller wichtigen Links:

Ergänzend präsentierte das GeoForschungszentrum Potsdam(GFZ) innovative Senkungs-Ansätze bei der Bereitstellung der Heizenergie:

Quelle: Berliner Wasserbetriebe

Die Optionen sind neu, im Vergleich zu früheren Optionen aus Sicht der Wohnungswirtschaft radikal verbessert und insgesamt geeignet, die Mittlerrolle der WoWi für valide Senkungsraten CO2 im Sinne der Zielstellung der EU “Nullemissionen bis 2050) deutlich zu machen.

Gleichzeitig ist aber auch klar, wie komplex die Bearbeitung solcher Projekte ist. Sieht man dies jedoch im Kontext zu den nun weiter aufpoppenden Optionen im Bereich des § 103 des GEG (Innovationsklausel), den zu erwartenden nationalen Förderprogrammen der Bundesministerien und der Länder, so ist es sicherlich zielführend, alle interessierten Betriebe in einer Arbeitsgruppe zusammen zu fassen.

Innerhalb einer solchen AG können WoWi-Betriebe von den wechselseitigen Erfahrungen profitieren und sich zu förderwürdigen Bündnissen auf Basis der kommenden Programm-Aufrufe (Calls) zusammen schließen.

Wir bieten allen interessierten Betrieben eine solche Mitwirkung an und freuen uns über Ihr Interesse:

Interessensbekundung Teilnahme H2020-ff-Arbeitskreis

Eine weitere Verdichtung des Themas soll im Rahmen einer Kennenlern-Veranstaltung am 03.12.2020 an der TU Braunschweig erfolgen, die auch im Web verfolgbar sein soll:

Save thedate: Schwerpunkt-Veranstaltung 03.12.2020 Braunschweig

Unser besonderer Dank geht an das Team des EEN aus Berlin und Brandenburg, die mit zielführenden Services überzeugen:

Dank der Unterstützung der EEN-Strukturen und Berlin Partner werden wir die Zielstellungen des neuen “Green Deals” weiter voran treiben können.