G.hn – rollt da Kai aus der Kiste auf uns zu?

Power Line Communication (PLC) und Business Power Line (BPL) fristeten bisher im Bereich der Gebäudeprozesse eher ein Schattendasein. Das wird so nicht bleiben. In Verbindung mit den Smart MeterGateways, im Kielwasser des BSI-Schutzprofils und der CLS-Schnittstelle rollt nun eine weltweit – abseits des deutschen Marktes – etablierte Technologie auf uns zu. Hat devolo als Erstanwender zunächst auf den privaten Smart Home Markt gesetzt, macht sich nun E.ON für ein massives Rollout bereit: 20,000 Smart Meter Gateways sind gekauft und sollen nun vorrangig in allen Voltage-Stufen die Alltagsprozesse im Bereich der Strom-Distribution Einzug halten. Sagt E.ON. Aber steckt da nicht weit mehr dahinter?

Die Partner, u.a. IBM und Corinex sind weltweite Schwergewichte. In allen Absichtserklärungen taucht immer wieder der Begriff “Consumer Market” auf. Da fällt auf, dass die neue EPBD-Richtlinie zum März 2020 durch die GroKo umgesetzt sein muss. Dazu schreibt die dena: “Die in 2018 beschlossenen Anforderungen der neuen Gebäuderichtlinie müssen durch Deutschland bis ca. März 2020 umgesetzt werden. Die EPBD ist die erste gültige neu ausgehandelte Richtlinie aus dem Paket „Clean Energy for all Europeans“ mit insgesamt acht Verordnungen und Richtlinien.” Zwar hat die GroKo die Chance vertan, gleich im aktuellen GEG dies mit zum berücksichtigen, doch eine erste Novelle soll´s richten. Bis März 2020. Wer´s glaubt………

Direkt im rechtsverbindlichen Kielwasser der EPBD segelt da ja auch noch der Smart Readyness Indicator. Länder wie Österreich oder Schweden sind uns in der aktuell laufenden Pilotphase weit voraus. Das wird aber die Aufprallwucht zum März 2020 nicht mindern, steckt doch Vielen noch der Mai 2018 (verpflichtende Umsetzung der DSGVO) in den Knochen.

Doch ist der Zeitpunkt der Umsetzung fast beiläufig einzustufen (die Groko reißt´s eh) im Vergleich mit den Auswirkungen, die der neue G.hn-Standard langfristig auf basische Infrastrukuren als “Intelligenz-Förderer” in Gebäuden (im Sinne der EPBD-Inhalte) auslöst:

Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (B2B): BPL befreit von allen Investitionen in Zweidraht- und/oder Cat-Kabel etc., da ja alle Grundinvestitionen in Form existenter Stromleitungen vorhanden sind. Die mit der Hardware- und der Übertragungstechnik verbundenen Investitions- und (vor allen Dingen!) Folgekosten aus M2M-Karten, GSM-Modulen, Fremdservern mit proprietärer Protokoll-Technologie sind mit G.hn passé.

Heimnetzwerke (B2C): Zwar spricht E.ON nicht darüber, doch die feinen Details lauern in den kleinen Absichtserklärungen, die neben den aktuell pointierten Haupt-Prozessen aus Hoch-, Mittel- und Niederspannung leicht übersehen werden können: E.ON versteckt dies zunächst in seinen Ablauf-Charts:

Quelle: Wolfgang Zeidler, Bayernwerk AG

Es bedarf keiner großen Fantasie, um die enormen Kostenspar-Potenziale zu erkennen: Vermieter und Mieter teilen sich eine existente Infrastruktur BPL, um in Quartieren völlig neue Prozesse aufzusetzen und kostengünstig zu gestalten:

Quelle: green with IT e.V.

Wie das funktioniert, wird in der Next Generation Halle der IFA am 10.09. am VDE-Stand demonstriert: erste Powerline-geführte, sichere Prozesse unter dem BSI-Schutzprofil zeigen live die “eigene” Handhabung des gesamten Heizverbrauchs-Managements quer durch die gesamte Wertschöpfungs-Kette. So können auch kleinere und mittlere WoWi-Betriebe, Facility-Manager und Gewerbeimmobilien-Betreiber ein kostengünstiges Wärme-Monitoring aufbauen. Stromprozesse? Kein Problem! Sind alle schon da………..

Auch der ultimative “Killerpoint” Datenmissbrauch ist kein Killer mehr: Das BSI-Schutzprofil garantiert allen deutschen Marktteilnehmern den Schutz vor ausländischen Serverdiensten, die häufig Dritt-Interessen abbilden.

Doch zurück zur EPBD-Richtlinie: was hat das mit dem BPL-Standard zu tun? Nun, EPBD und Smart Readyness Indicator zielen ins Herz der Gebäude-Intelligenz. Werden diese ab März 2020 (oder etwas danach, liebe Groko) als Gegenstand europäischen Rechts in Deutschland umgesetzt, werden zu allgemeiner Politik, zu Förderkriterien und gelangen in die Alltags-Prozesse der Finanzentscheider von Immobilien, dann verschiebt sich auch der Rechenansatz des GEG zugunsten neuer Iterationen in der Berechnungsformel: Effizienzgewinne aus intelligenten Steuerungen, Monitoring und “Künstlicher Intelligenz” (KI) lösen die alt-monotheistischen Hüllflächen-Prozesse ab bzw. ergänzen diese. Gering investive, hoch effiziente Maßnahmen dürfen nun abmindernd in die Energiepass-Grundberechnung eingestellt werden. Da sind Konflikte mit alten Hüllflächen-Prioritäten vorprogrammiert.

Sie vermissen das aktuell im GEG-Gelbdruck? Ja, das fehlt. Als sei der SRI eine Marginalie, verschläft die GroKo diesen wichtigen Ansatz, um gering investive Intelligenz-Maßnahmen aus EU-Recht fristgerecht gleich zum März 2020 einzubauen. Bis dahin bleibt der alte Hüllflächen- und Anlagenfokus mitsamt allen Formel-Iterationen im Berechnungsansatz.

Macht mal gaaaanz langsam, GroKo. Verabschiedet noch mal die alte Welt zum Wohlfühlen, bevor die zwingenden Indikatoren aus EPBD-RiLi und SRI den gesamten Berechnungsansatz des neuen GEG komplett auf den Kopf stellen. Bis zum März des nächsten Jahres verschlafen wir ganz sanft die Entwicklung um uns herum in Europa, die andere Regionen weit an uns vorbei ziehen lässt.

Und dann kommt Kai aus der Kiste. Hinzu kommt eine neue BPL-Infrastruktur, die hinter der CLS-Schnittstelle enormes Potenzial zur Förderung der Gebäudeintelligenz, der Energieeffizienz hat. Denn: Das Smart Meter Gateway ist dann – samt sicherer Prozesse nach common criteria – schon da!

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